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Nicht alle Mitbringsel sind legal

Da hat man einen tollen Urlaub gehabt, freut sich so günstig geshoppt und für die Liebsten etwas dabei zu haben und dann das: Am Zoll wird beschlagnahmt.

Denn nachgeahmte Markenprodukte sind illegal: Ob es die Kino-DVD's für drei, die Sneakers für zehn oder die Rolex für 50 Euro ist. Und wenn der Zoll die Fälschungen entdeckt, dann wird es plötzlich doch noch ganz schön teuer.

Fälschungen und Raubkopien nach Deutschland zu bringen ist verboten. Nur wenn der Wert aller eingeführten Waren unter 175 Euro liegt, lässt der Zoll mit sich reden. Ausschlaggebend ist hier der Preis, den ein Urlauber tatsächlich bezahlt hat, und nicht, was die Originale gekostet hätten. Wer gleich mehrere nachgemachte Shirts, Schuhe und Markenuhren mit sich führt, überschreitet diese Grenze recht schnell und muss alles beim Zoll lassen. Wer mit mehr Plagiaten erwischt wird, als die Freimenge erlaubt, dem droht ein Steuerstrafverfahren vom Zoll. Ein kostspieliger Rechtsstreit mit den Markeninhabern droht darüber hinaus, grundsätzlich bei jedem Fälschungsfall.

Hannes Köblitz, Rechtsanwalt für den Aktionskreis gegen Produktpiraterie und Vertreter von Dolce & Gabbana und Adidas, erläutert, dass sich erwischte Urlauber in Deutschland mit einer Abmahnung noch recht zufrieden geben können. Dies beinhaltet: Er muss schriftlich bestätigen, künftig keine Plagiate mehr einzuführen. Zudem muss er die Anwaltskosten tragen, die im Regelfall mehrere Hundert Euro betragen. Außerdem müssen die Plagiateschmuggler auch die Kosten für die Vernichtung tragen, ca. 1.500 Euro.

Viel Geld? Noch günstig im Vergleich zu anderen Ländern: In Italien musste eine dänische Touristin 10.000 Euro Bußgeld bezahlen, weil sie am Strand in Ligurien für zehn Euro eine gefälschte Gucci-Sonnenbrille gekauft hatte. In Frankreich drohen allein für den Besitz gefälschter Markenartikel bis zu drei Jahre Gefängnis.

Die Zahl der nachgemachten Markenwaren, die nach Deutschland importiert werden, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Insgesamt 425 Millionen Euro waren die Plagiate wert, die der Zoll im vergangenen Jahr entdeckte – dreimal mehr als noch 2005. Allein der Zoll am Flughafen Berlin-Tegel beschlagnahmte fast 40 Tonnen gefälschte Markenartikel. Etwa ein Fünftel davon bringen Urlauber illegal ins Land.

Aber wie entdeckt der Zoll die Plagiate? Alle Koffer zu durchsuchen wäre ja Wahnsinn. Aber Röntgenscanner helfen hier weiter: Denn die Gepäckkontrolle beginnt in vielen Fällen schon lange, bevor die Reisenden davon etwas mitbekommen. Ein Stockwerk unter der Gepäckausgabe befindet sich nämlich der so genannte Kofferkeller. Hier kommen nicht nur die Gepäckstücke, die gleich in ein Flugzeug geladen werden, unter den Röntgenscanner – auch ankommendes Gepäck kann hier vom Zoll durchleuchtet werden. So findet man nicht nur Schusswaffen, auch Schmuck, CDs und DVDs fallen bei der Kontrolle auf.

Textil-Waren werden hingegen in Stichproben herausgefischt. Kontrolliert werden beinahe ausschließlich Passagiere, die aus einem Land außerhalb der EU anreisen; also aufpassen beim nächsten Thailand-Urlaub. Bei Nonstop-Flügen aus Ländern wie China, der Türkei oder Thailand, die zu den üblichen Verdächtigen in Sachen Markenpiraterie gehören, macht der Zoll in regelmäßigen Abständen auch eine Vollkontrolle. Das heißt: Am Ausgang muss jeder Passagier den Koffer öffnen.

Quelle: Welt-Online
Bild: Monodrom (Flickr)

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